Goldrausch im Eso-Land
Ich werde in der letzten Zeit immer wieder gefragt, ob ich bei
einem Schenkkreis mitmachen möchte. Die Verlockung ist
natürlich groß. Man "schenkt" 500,- oder 5000,- und hat
dafür die Chance 4000,- oder gar 40.000 zu bekommen. Auch
kenne ich inzwischen Menschen, die dort mit sehr großen
Summen beschenkt worden sind. Also los die Zweifel und das
Sicherheitsdenken überwinden und dann das Achtfache der
investierten Summe kassieren! Bei anderen hat es ja auch
geklappt warum nicht bei mir? Schenkkreise nennen sich
diese neuen esoterischen Geldvermehrungsvereine nach dem
Motto: Ich schenke - also wird mir geschenkt!
Das System der "Schenkkreise"
Das Prinzip ist das gleiche wie bei den bekannten
Kettenbriefaktionen. Man "schenkt" an einen Empfänger des
Kreises und sucht danach mit den anderen der Gruppe 8 neue
Mitspieler, um selbst der Empfänger zu werden. Nur trägt das
Ganze jetzt den edlen Namen "Schenkkreis". Und dieser hat auch
eine transformatorische Funktion: die eigene Thematik mit
Mangel, Fülle und Geld zu bearbeiten.
Es ist eigentlich unglaublich: Obwohl sich schon viele
ähnliche Kettenbriefaktionen totgelaufen haben, erfreut sich
dieses Spiel wieder wachsender Beliebtheit. Was doch ein neues
"esoterisches Outfit" alles ausmacht!
Der Missbrauch
Doch wird hier die Idee des Schenkens nicht auf den Kopf
gestellt? Ist Schenken nicht ein Akt des reinen Gebens, ein
Akt der Liebe, der Annerkennung oder des Mitgefühls ohne
Erwartung? Hier wird das Schenken pervertiert: Man schenkt
nicht aus reinen Motiven, sondern um selbst der Beschenkte zu
werden und das Vielfache zu bekommen! Der Gebende "schenkt"
aus egoistischen Gründen. Es handelt sich eigentlich um ein
Investieren in ein System, bei dem es am Ende wenige Gewinner
und viele Verlierer gibt, die nur geben und nichts bekommen..
Der Begriff des Schenken wird hier verdreht und bewusst
missbraucht. ( Übrigens: Auch das Wort "Spenden" klingt durch
den vielen Missbrauch in Politik und Wirtschaft schon
anrüchig.)
Wichtig ist, das Ganze als System zu begreifen und es auch zu
Ende zu denken: Die "Geschenke", welche die Gewinner erhalten,
werden ausschließlich von denen finanziert, die zuletzt
einsteigen und leer ausgehen. Da jeder "Beschenkte" selbst
nur ein Achtel dessen einbringt, was er erhält, gibt es am
Ende ca. achtmal so viele Geber wie Empfänger. Eigenartig,
dass man sich über diese einfache Rechnung hinweglügen kann.
So wie die meisten "Schenkkreise" funktionieren das
offenbart ein Taschenrechner - bedeutet das:
1. Runde: Mitspieler: 9 ,Verlierer: 8 , Gewinner: 1
2. Runde: Mitspieler: 73, Verlierer: 64, Gewinner: 9
5. Runde: Mitspieler: 32.769, Verlierer: 28.087, Gewinner: 4681
6. Runde: Mitspieler: 262.144, Verlierer: 224.695, Gewinner: 37.449
10. Runde: Mitspieler: 1.07 Milliarden, Verlierer: 747 Millionen, Gewinner: 153 Millionen
11. Runde: Mitspieler: 8,5 Milliarden
Deutlich ist der unsoziale Charakter sichtbar. Auffallend ist,
dass bei gleichmäßiger Ausbreitung das Spiel theoretisch schon
in der 10. Runde zum Ende kommt praktisch natürlich viel
früher.
Das System braucht ständig neue Mitspieler, damit es nicht
zum Erliegen kommt und das dicke Ende sichtbar wird! Nur dann,
wenn die "Beschenkten" das Ganze gewonnenes Geld wieder in das
System einspeisen würden, käme es zu einem ausgeglichenen
Geben und Nehmen. Doch daran ist hier nicht gedacht. Den
Schenkkreisen liegt die traurige Realität zu Grunde: Die
letzten beißen die Hunde!
So wird durch Werben neuer Mitspieler versucht, diese Tatsache
solange wie möglich herauszuschieben. Die immense Anzahl der
letzten Einsteiger werden sich am Ende der Kreise als die mit
großen Wohlstandsversprechungen angelockten Finanziers der
ganzen Aktion erfahren, die trotz ihres mutigen und
großzügigen Einsatzes nichts von dem Kuchen abbekommen. Werden
diese "spirituellen Kreise" auch noch existieren, wenn das
dicke Ende gekommen ist? Oder wird die viel größere Anzahl der
Übriggebliebenen eigene Kreise der Enttäuschten gründen und
die Beschenkten dazu einladen in einer Art
Wahrheitskommission?
Die Ähnlichkeit
Das verantwortungslose Verhalten ist ein typisches Phänomen
unserer Wohlstandsgesellschaft: Wir plündern die natürlichen
Ressourcen der Erde, ohne uns ernsthaft über die Konsequenzen
für nachfolgende Generationen klar zu sein. Wir wollen immer
möglichst viel für wenig Geld. Wir kaufen gerne billige Waren,
die dann aber in Dritte Welt Ländern zu Hungerlöhnen
hergestellt wurden. Wir roden die Urwälder und verpesten die
Luft mit Abgasen und kümmern uns nur wenig um die Folgen.
Überall die gleiche Problematik: Die Systeme sind komplex und
schwer zu durchschauen. Die Konsequenzen sind nicht deutlich,
weil sie erst in ferner Zukunft zum Tragen kommen. Tatsächlich
weiß der einzelne oft nicht um die Folgen seines Handelns. Und
wenn doch, sieht er sich oft außerstande, in dem
Gesamtsystemen etwas zu verändern. Doch in diesem System
kommen zusätzlich ungewöhnliche Faktoren mit ins Spiel:
Der Motor des Systems: die Verlockung
Der Antrieb für die epidemieartigen Ausbreitung des Systems
ist die Verlockung des plötzlichen Reichtums. Deutlich werden
zuerst nur die riesigen Gewinne. Man schwelgt in dem
unglaublichen Geldsegen. Überall dort, wo sich diese Kreise
ausbreiten, gibt es anfangs nur Gewinner. Es herrscht Freude
und eitel Sonnenschein. Da werden große Feste in teuren Hotels
veranstaltet, um den neuen Reichtum zu feiern. Das fühlt sich
mächtig gut an. Und es werden fleißig neue Mitmacher gesucht,
denn die Freude des Geldsegens möchte man gerne auch anderen
zukommen lassen. Man hört, die Energie in diesen Kreisen ist
super, soviel nette Menschen mit innovativen Ideen! Und die
liebevolle gegenseitige Unterstützung!
Auch hier sind die Folgen zuerst nicht sichtbar! Und der
Zeitfaktor machts möglich: Die Konsequenzen werden in fataler
Weise auf den St. Nimmerleinstag verdrängt. Die Devise ist:
Nach mir die Sintflut!
Das ganze ist natürlich freiwillig. Doch die Verlockung des
Systems ist immens! Dazu die spirituellen Ideen von Geben und
Nehmen, von Schenken und Empfangen, von persönlicher
Transformation. Die esoterische Idee von Fülle und Wohlstand
für Jedermann. Welch süßes Versprechen! Welch verlockender
Mix aus Spiritualität und Reichtum! Und wie einfach das Ganze
ist!
Doch es bleibt: Das System als Ganzes ist extrem unausgewogen
und in der Tat höchst unsozial! Mal ehrlich: Wer würde solche
Summen verschenken, wenn es um ein reines Schenken oder ein
ausgeglichenes Geben und Nehmen handeln würde?
Das Schmiermittel des Systems: Der Wahn und der Rausch
Keinen kümmert, woher das Geld wirklich kommt. Man hat sich
für Fülle entschieden, sein Armutsdenken hinter sich
gelassen, sein Mangelbewusstsein überwunden und schon ist der
Reichtum da! Die Gewinner glauben tatsächlich daran, sie
hätten ihren Gewinn selbst materialisiert! Übrigens: Auch
Atlantis ist an materialisierter Gigantomanie und Größenwahn
zu Grunde gegangen. Haben wir es hier etwa mit Karma aus
dieser Zeit zu tun? Einige Mitspieler halten sich für alte
Atlanter und glauben, jetzt endlich wieder das Materialisieren
verstanden zu haben. Das berührt auch die Frage, ob auch ein
Taschendieb seine Beute materialisiert schließlich hat er
sie ja in der Hand? Denkt mal darüber nach!
Wenn man einmal gewonnen hat, steigt man gleich wieder ein und
es kommt zu einem wahren Rausch. Bei so leicht verdientem Geld
wachsen die Wünsche schnell! So kann das gewonnene Geld fluchs
in weitere Kreise investiert werden. Um z.B. 200.000 . zu
finanzieren braucht das System "nur" 40 mutige Neueinsteiger á
5000 irgendwo am Ende dieser verdrehten "Nahrungskette".
Alles wird möglich! Größenwahn und Egoismus werden geweckt!
Schmiermittel Nr. 2: die scheinbare Spiritualität
Wenn man die Schenkbegeisterten auf diese Schieflage
anspricht, erklären sie, dass die rationale Logik hier nicht
zähle: es handele sich um spirituelle und göttliche Kräfte in
Verbindung mit der Überwindung rationalen Denkens! Man hört
von Engeln des Wohlstands und des kosmischen Überfluss. Aus
der Schweiz gibt es z.B. gechannelte Texte von Maria, der
Göttin der weiblichen Fülle, die diese Schenksysteme
befürwortet. Nun, ich arbeite selbst lange als spiritueller
Berater, Lichtarbeiter und Seher, der auch Mathematik studiert
hat, und kann bei bestem Willen keine Kraft ausmachen, welche
die Konsequenz dieses gnadenlosen Systems transformiert.
Leider wird bei manchen "spirituellen Channellings" auch
gefährlicher Blödsinn unters Volk gebracht.
Die Tarnung des Systems: Komplexität und der soziale Tuch
Die Undurchschaubarkeit besteht, wie oft bei komplexen
Systemen, in der großen Distanz zwischen Täter und Opfer: Eine
Gewinnerin (es gibt sogar reine Frauenschenkkreise) von 4.000
hat nie Kontakt zu den 8 enttäuschten Neueinsteigerinnen am
Ende, denen sie letztendlich jeweils 500 aus der Tasche
zieht. Zudem kommt das System nicht auf einen Schlag zum
Stehen, sondern praktisch unsichtbar und peu à peu und dort,
wo es nicht mehr weitergeht, spricht man dann von Negativität
oder blockierten Energien. Wir sehen hier ein spezielles
System von Handlangerei - ähnlich wie bei Skandalen in
Politik und Wirtschaft: Die Profiteure haben immer eine
blütenreine Weste und die anderen das Nachsehen. Jedoch
übertreffen hier die Gewinne die des Aktienmarktes um ein
vielfaches.
Doch wird von den Akquisiteuren der Schenkkreise gelobt: Das
Geld wird für sinnvolle, spirituelle Projekte verwendet! Man
kann es in arme Länder geben! Ein Teil wird wieder
eingebracht, um anderen "weiterzuhelfen"! Das ändert nichts am
System, sondern erhöht nur dessen Tarnung. Wer Geld für ein
Projekt braucht, soll ehrlich um Spenden und Geschenke bitten.
Jeder kann offen etwas für die Armen in dieser Welt sammeln.
Dabei werden sich jedoch viel weniger Geber melden, denn hier
ist das echte Schenken gefragt!
Herkunft: unbekannt
Ich bin mir nicht sicher, ob jetzt noch Humor angebracht ist:
Waren die Erfinder vielleicht Enttäuschte einer
vorangegangenen Kettenbriefaktion, die wohl verstanden, wie
gut das Ganze funktioniert und beschlossen, nach einem
Facelifting des Systems diesmal am Anfang der Kette zu stehen?
Bewusstsein
Wir leben in einer Zeit des sich entwickelnden Bewusstseins.
Die Thematik von
gehört dazu. Jeder hat das Recht auf Fülle. Sie gibt es auch
in der Natur. Doch dort findet Geben und Nehmen in echten
Kreisläufen in ausgeglichener Weise statt, in denen jedes
Lebewesen seinen ihm zustehenden Platz und Fülle im Rahmen
des Ganzen hat. Wie gnadenlos Kettenbriefaktionen
funktionieren, zeigt folgendes: Man stelle sich vor, das Spiel
würde nicht "nur" mit Geld, sondern ganz existentiell mit
Nahrungsmitteln auf der Erde bis zum Ende gespielt werden: 13
% der Weltbevölkerung leben sodann in Saus und Braus, während
87 % nichts mehr zu Essen haben. Übrigens: Finden wir nicht
ziemlich genau diese Verteilung von Reichtum und Armut in der
Welt vor? Sind die Schenkkreise gar die uns vorgehaltenen
Spiegel der egozentrischen Raffsucht der reichen Länder?
Empfinden wir dieses Verhältnis zwischen Arm und Reich etwa
schon als normal?
Jede Seele, die sich ins Licht entwickeln möchte, wird sich
mit den Konsequenzen ihres Handels befassen müssen oder
wollen! Darum sind wir hier! Das gehört zu unseren
Hausaufgaben in dieser Dualität. So wird der Gewinner mit der
entsprechenden Anzahl an Verlierern des Spiels karmisch
verbunden bleiben, um das Thema erneut zu bearbeiten.
Fluss und Reichtum
Natürliche Fülle im Leben kommt eigentlich auf einfache Weise:
Wer seinem Herzen und seiner inneren Stimme folgt, wird das
tun, was seinem innersten Wesen entspricht. Dann fließt unsere
Energie in Hülle und Fülle. Man lebt sein wahres Selbst,
verschenkt (!) sich an die Welt und bekommt dadurch viel
zurück. So entsteht ein reiches Geben und Nehmen ein
kraftvoller, ausgeglichener Austausch zwischen dem Mensch und
seiner Umgebung - auch auf materieller Ebene. Das ist unser
Weg! Reichtum durch Schenkkreise führt mit spürbaren Folgen in
die entgegengesetzte Richtung!
Die Transformation des Systems
Es gibt einen Weg, das drohende unschöne Ende abzuwenden.
Einen sehr einfachen und geraden Weg: Zurückschenken. Jeder
gibt die erhaltenen Beträge wieder an seinen Geber zurück. Das
ist in dieser Situation der angebrachte Akt wahrer Größe.
So rufe ich - als Teil der spirituellen Bewegung - im Namen
der Liebe dazu auf:
Gebt das erhaltene Geld zurück und beendet das Gaunerstück!
Das ist der Akt von wahrer Nächstenliebe und Aufrichtigkeit.
Das ist die wahre spirituelle Transformation! Tut dies für
euch Selbst und für die spirituelle Entwicklung der
Menschheit.
Alternativen
Gibt es die Möglichkeit, tatsächlich anders - mitmenschlicher
mit Geld umzugehen? Sind echte Schenkkreise oder
Unterstützungskreise realisierbar? Ich denke dabei an lokale
auf Liebe basierenden Kreise, in denen Geld zusammengelegt
wird, um selbstverantwortlich unterstützungswürdige
ganzheitliche Projekte oder Menschen zu fördern statt es den
Banken zu geben. Eine soziale, lokale, ganzheitliche
Bankalternative. Einen ähnlichen sehr interessanten Ansatz
gibt es im Krankenversicherungsbereich: "Artabana"- eine
Organisation zur Finanzierung des Gesundheitswesens auf der
Grundlage von Eigenverantwortung und Solidarität gegliedert in
kleine, regionale Solidaritätsgemeinschaften
(www.artabana.de).
Nun Geld und unser Umgang damit bleibt sicherlich ein großes
Thema im menschlichen Miteinander hier offenbaren sich die
Ideen von "mein und dein", von Dualität und Trennung besonders
deutlich. So wollen wir Suchende bleiben auch beim Thema Geld
auf unserem Weg von Spiritualität und Liebe.
Stefan Geiger
E-Mail: om@soullight.de
web: www.soullight.de